Entwässerungsanlagen einfach erklärt
Vom Waschbecken bis zur Grundleitung: Eine Entwässerungsanlage besteht aus mehreren Leitungen und Bauteilen, die zusammenarbeiten. Wer ein Abwasserproblem verstehen möchte, muss deshalb zuerst wissen, an welcher Stelle des Systems es entsteht.
Was ist eine Entwässerungsanlage?
Eine Entwässerungsanlage führt anfallendes Abwasser über verschiedene Leitungen und Bauteile aus einem Gebäude und über das Grundstück weiter. Dabei handelt es sich nicht um ein einzelnes Rohr, sondern um ein zusammenhängendes System.
Zu diesem System können beispielsweise Anschlussleitungen, Sammelleitungen, Fallleitungen, Grundleitungen, Revisionsmöglichkeiten und Schächte gehören. Welche Bestandteile tatsächlich vorhanden sind, hängt vom jeweiligen Gebäude und Grundstück ab.
Genau deshalb kann dasselbe sichtbare Symptom – etwa ein langsam ablaufendes Waschbecken – völlig unterschiedliche Ursachen haben. Das Problem kann direkt am Ablauf sitzen oder erst in einem weiterführenden Leitungsabschnitt entstehen.
Vom Ablauf bis zur weiterführenden Kanalisation.
Vereinfacht betrachtet durchläuft Abwasser mehrere Bereiche. Wo genau die Grenze zwischen privater Anlage und öffentlicher Entwässerung liegt, kann von den örtlichen Gegebenheiten und Regelungen abhängen.
Zum Beispiel Waschbecken, Dusche, WC oder ein anderer angeschlossener Ablauf.
Sie führt das Abwasser von der einzelnen Entwässerungsstelle in einen weiterführenden Leitungsbereich.
Abwasser aus mehreren Bereichen kann zusammengeführt und innerhalb des Gebäudes weitergeleitet werden.
Sie führt Abwasser im unteren beziehungsweise erdverlegten Bereich des Gebäudes oder Grundstücks weiter.
Von der Grundstücksentwässerung gelangt das Abwasser schließlich in das nachgelagerte Entwässerungssystem.
Welche Leitungen gehören zur Entwässerung?
Die Begriffe werden im Alltag häufig durcheinandergebracht. Für die Fehlersuche ist es jedoch hilfreich zu wissen, welcher Leitungsbereich gemeint ist.
Anschlussleitung
Sie verbindet eine Entwässerungsstelle beziehungsweise einen angeschlossenen Bereich mit der weiterführenden Entwässerungsleitung.
Sammelleitung
Hier werden Abwasserströme aus mehreren angeschlossenen Leitungen zusammengeführt und weitergeleitet.
Fallleitung
Fallleitungen führen Abwasser senkrecht durch ein Gebäude und verbinden häufig mehrere Geschosse.
Grundleitung
Grundleitungen liegen im beziehungsweise unter dem Gebäude oder im Erdreich und führen das Abwasser in Richtung des nachgelagerten Systems.
Schacht
Schächte können Bestandteil einer Entwässerungsanlage sein und je nach Ausführung Zugang, Kontrolle oder Verbindung verschiedener Leitungsbereiche ermöglichen.
Revisionsmöglichkeit
Zugängliche Öffnungen können für Reinigung, Untersuchung und weitere technische Arbeiten am Leitungssystem wichtig sein.
Gebäudeentwässerung und Grundstücksentwässerung.
Für Eigentümer ist vor allem wichtig: Das Entwässerungssystem endet nicht dort, wo das Rohr aus Bad oder Küche verschwindet.
Gebäudeentwässerung
Innerhalb des Gebäudes wird Abwasser von den einzelnen Entwässerungsstellen aufgenommen, zusammengeführt und über entsprechende Leitungen weitergeleitet.
Grundstücksentwässerung
Auf beziehungsweise unter dem Grundstück setzt sich die Entwässerung über Leitungen und gegebenenfalls weitere Bauwerke bis zum nachgelagerten Anschluss fort.
Welche Probleme können in einer Entwässerungsanlage auftreten?
Ein Symptom verrät nicht immer sofort, wo die Ursache liegt. Deshalb ist die technische Einordnung oft wichtiger als die reine Bezeichnung des Problems.
Verstopfung
Der freie Leitungsquerschnitt ist eingeschränkt oder vollständig blockiert. Wasser läuft langsamer oder gar nicht mehr ab.
Ablagerungen
Rückstände können sich innerhalb von Leitungen aufbauen und den Abfluss zunehmend beeinträchtigen.
Wurzeleinwuchs
In erdverlegten Leitungsbereichen können Wurzeln unter geeigneten Bedingungen in problematische Leitungsstellen eindringen.
Rohrschäden
Beschädigte Leitungsbereiche können eine Reparatur oder weitergehende Sanierung erforderlich machen.
Unklarer Leitungsverlauf
Fehlende oder unvollständige Pläne können Untersuchung, Reparatur und Bauarbeiten erschweren.
Wiederkehrende Störung
Kommt dasselbe Problem immer wieder, kann neben der Reinigung eine genauere Untersuchung des Leitungsbereiches sinnvoll werden.
Wie lässt sich eine Entwässerungsanlage untersuchen?
Unterschiedliche Fragestellungen benötigen unterschiedliche Verfahren. Reinigung, Kamera, Ortung und Dichtheitsprüfung erfüllen nicht dieselbe Aufgabe.
Ist die Leitung blockiert?
Bei einer Verstopfung steht zunächst die Wiederherstellung des freien Abflusses im Vordergrund.
Rohrreinigung →Was ist innen sichtbar?
Eine Kamerainspektion kann den zugänglichen inneren Leitungsbereich sichtbar machen und Auffälligkeiten dokumentieren.
Kanalinspektion →Wo verläuft die Leitung?
Bei fehlenden Plänen oder einer gesuchten Stelle kann eine Ortung den Verlauf beziehungsweise einen relevanten Bereich räumlich eingrenzen.
Ortung →Ist der Bereich dicht?
Eine Dichtheitsprüfung beantwortet eine andere technische Frage als die optische Inspektion und betrachtet gezielt die Dichtheit.
Dichtheitsprüfung →Was passiert, wenn tatsächlich ein Schaden festgestellt wird?
Eine festgestellte Auffälligkeit bedeutet noch nicht automatisch, dass die komplette Leitung ausgetauscht werden muss. Zunächst muss eingeordnet werden, welcher Bereich betroffen ist und welche technische Bedeutung der Befund hat.
Je nach Schadensbild können unterschiedliche Reparatur- und Sanierungsverfahren infrage kommen. Dazu gehören beispielsweise partielle Reparaturen, Sanierungsverfahren innerhalb geeigneter Leitungen oder – wenn erforderlich – der Austausch eines Rohrbereiches.
Genau deshalb gehören Zustandserfassung, Bewertung und Sanierungsentscheidung zusammen. Auch die DWA behandelt diese Schritte bei Grundstücksentwässerungen als zusammenhängenden Prozess.
Vier Begriffe, vier unterschiedliche Aufgaben.
Ablagerungen und Blockaden bearbeiten, damit Abwasser wieder ordnungsgemäß abfließen kann.
Den zugänglichen Leitungsbereich betrachten und sichtbare Auffälligkeiten erfassen.
Eine konkrete technische Eigenschaft – beispielsweise die Dichtheit – mit einem dafür vorgesehenen Verfahren prüfen.
Einen festgestellten sanierungsbedürftigen Leitungsbereich mit einem geeigneten Verfahren instand setzen.
Fragen zu Entwässerungsanlagen
Was gehört zu einer Entwässerungsanlage?
Eine Entwässerungsanlage besteht aus mehreren Leitungen und gegebenenfalls weiteren Bauteilen. Dazu können unter anderem Anschlussleitungen, Sammelleitungen, Fallleitungen, Grundleitungen, Revisionsmöglichkeiten und Schächte gehören. Der konkrete Aufbau hängt vom Gebäude und Grundstück ab.
Was ist eine Grundleitung?
Eine Grundleitung ist ein weiterführender Leitungsbereich der Gebäude- beziehungsweise Grundstücksentwässerung. Sie befindet sich typischerweise im unteren oder erdverlegten Bereich und führt Abwasser in Richtung des nachgelagerten Entwässerungssystems.
Was ist der Unterschied zwischen Fallleitung und Grundleitung?
Eine Fallleitung führt Abwasser überwiegend senkrecht durch ein Gebäude, während eine Grundleitung im unteren beziehungsweise erdverlegten Bereich weiterführt. Beide können Teile desselben Entwässerungssystems sein.
Warum sind mehrere Abflüsse gleichzeitig verstopft?
Dann kann die Störung in einem Leitungsbereich liegen, der von mehreren Entwässerungsstellen gemeinsam genutzt wird. Wo genau die Ursache sitzt, lässt sich allein am sichtbaren Symptom jedoch nicht sicher bestimmen.
Muss ich den Verlauf meiner Abwasserleitungen kennen?
Nein. Vorhandene Pläne können technische Arbeiten erleichtern. Fehlen sie oder stimmen sie nicht mit der tatsächlichen Situation überein, kann eine Leitungs- oder Kanalortung hilfreich sein.
Kann man eine Entwässerungsanlage mit einer Kamera untersuchen?
Zugängliche Leitungsbereiche können je nach Situation kameragestützt untersucht werden. Eine optische Inspektion zeigt sichtbare Auffälligkeiten, ersetzt aber nicht automatisch andere Prüfverfahren wie eine Dichtheitsprüfung.
Wer ist für die Abwasserleitung auf meinem Grundstück verantwortlich?
Die genaue Zuständigkeit lässt sich nicht bundesweit mit einer einzigen Grundstücksgrenze beantworten. Eigentums- und Verantwortungsbereiche können von örtlichen Satzungen und der konkreten Anschlusssituation abhängen. Bei einer konkreten Zuständigkeitsfrage sollte deshalb die Regelung des zuständigen Entwässerungsbetriebs beziehungsweise der Kommune geprüft werden.
Gibt es eine bundesweit einheitliche Pflicht zur Dichtheitsprüfung?
Nein, eine einzige bundesweit einheitliche Nachweisregelung für sämtliche privaten Grundstücksentwässerungen gibt es so nicht. Neben technischen Regelwerken können Landesrecht und kommunale Abwassersatzungen eine Rolle spielen. Für einen konkreten Standort sollte deshalb die dort geltende Regelung betrachtet werden.
Rohr- & Kanaltechnik verständlich erklärt.
Materialien, Schäden, Untersuchungsverfahren und Sanierungstechniken: In unserem Fachwissen erklären wir die wichtigsten Themen rund um Entwässerungsanlagen Schritt für Schritt.
Sie müssen das Leitungssystem nicht selbst diagnostizieren.
Schildern Sie uns einfach, was Sie beobachten. Rohrfachmann kann daraus den nächsten technischen Schritt einordnen – von der Reinigung über Untersuchung und Ortung bis zur Reparatur oder Sanierung.