Dichtheitsprüfung Abwasser: Wann ist sie nötig?

Undichte Abwasserleitungen bleiben oft jahrelang unbemerkt. Dabei kann Abwasser ins Erdreich gelangen, und Grundwasser oder Wurzeln können in das Rohr eindringen. Viele Eigentümer fragen sich deshalb, wann eine Dichtheitsprüfung Abwasser nötig ist und was dabei auf sie zukommt. Dieser Beitrag erklärt die Anlässe, den Ablauf der Prüfung und die nächsten Schritte, wenn eine Leitung nicht dicht ist.

Kurz gesagt: Grundstückseigentümer sind dafür verantwortlich, dass ihre Abwasserleitungen dicht sind. Ob und wann eine Prüfung konkret verlangt wird, regelt die örtliche Abwassersatzung, typische Anlässe sind Neubau, Sanierung, Hauskauf oder ein Schadensverdacht. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Gemeinde nach.

Was ist eine Dichtheitsprüfung?

Bei einer Dichtheitsprüfung, umgangssprachlich auch Dichtigkeitsprüfung genannt, wird festgestellt, ob eine Abwasserleitung oder ein Schacht Wasser verliert. Geprüft werden vor allem die Grundleitungen unter dem Gebäude und die Anschlussleitungen auf dem Grundstück bis zum öffentlichen Kanal. Die Prüfung zeigt, ob das Leitungssystem seine Aufgabe erfüllt: Abwasser sicher abzuleiten, ohne Boden und Grundwasser zu belasten.

Unterschieden werden im Wesentlichen zwei Situationen. Neu verlegte Leitungen werden nach dem Bau geprüft, bevor sie in Betrieb gehen. Bestehende Leitungen werden untersucht, um ihren Zustand festzustellen und Schäden frühzeitig zu erkennen.

Dichtheitsprüfung Abwasser in Niedersachsen: Was gilt?

Grundsätzlich gilt: Grundstückseigentümer müssen dafür sorgen, dass ihre Abwasserleitungen dicht sind. Eine einheitliche Prüfpflicht mit festen Fristen für alle bestehenden Gebäude in Niedersachsen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Die konkreten Vorgaben regelt die jeweilige Abwassersatzung Ihrer Stadt oder Gemeinde.

Ein Beispiel: Bei Neubauten verlangt etwa die Stadtentwässerung Hannover den Nachweis einer Dichtheitsprüfung. Diese erfolgt als Druckprüfung mit Luft oder Wasser nach DIN EN 1610. Für bestehende Anlagen verweist sie auf wiederkehrende Prüfungen nach DIN 1986-30. Andere Kommunen können eigene Regelungen haben.

Wichtig: Verlassen Sie sich nicht auf pauschale Aussagen zu Fristen oder Pflichten. Welche Anforderungen für Ihr Grundstück gelten, erfahren Sie verbindlich bei Ihrer Gemeinde oder beim zuständigen Netzbetreiber. Bewahren Sie Schreiben und Prüfnachweise sorgfältig auf.

Wann sollten Eigentümer prüfen lassen?

Unabhängig von festen Terminen gibt es eine Reihe von Anlässen, bei denen eine Prüfung sinnvoll oder gefordert ist:

  • Neubau: Neue Grundleitungen werden vor der Inbetriebnahme geprüft, der Nachweis wird häufig vom Netzbetreiber verlangt.
  • Aufforderung: Die Kommune oder der Netzbetreiber fordert Sie schriftlich zur Prüfung auf, etwa im Zuge von Kanalarbeiten in der Straße.
  • Wasserschutzgebiet: Hier gelten oft strengere Anforderungen an den Zustand der Leitungen.
  • Gewerbliche Anlagen: Betriebe mit besonderem Abwasser, zum Beispiel mit Fett- oder Leichtflüssigkeitsabscheidern, unterliegen häufig eigenen Prüfvorgaben.
  • Sanierung und Umbau: Nach Reparaturen oder einer Sanierung wird die Dichtheit häufig nachgewiesen.
  • Hauskauf: Käufer erhalten Klarheit über den Zustand der Leitungen.
  • Schadensverdacht: Feuchte Kellerwände, Absackungen, Kanalgeruch oder häufige Verstopfungen deuten auf mögliche Undichtigkeiten hin.

So läuft die Dichtheitsprüfung Abwasser ab

Der genaue Ablauf richtet sich nach Leitung, Anlass und den Vorgaben vor Ort. Typischerweise umfasst eine Prüfung diese Schritte:

  1. Unterlagen sichten: Vorhandene Pläne und Schreiben der Gemeinde werden geprüft, Schächte und Zugänge ermittelt.
  2. Reinigen: Die Leitungen werden gespült, damit Ablagerungen das Ergebnis nicht verfälschen.
  3. Kamerauntersuchung: Häufig wird die Leitung zunächst per Kamera befahren, um sichtbare Schäden zu erkennen und den Verlauf zu dokumentieren.
  4. Absperren: Die zu prüfenden Abschnitte werden mit Absperrblasen verschlossen.
  5. Prüfen: Die Leitung wird mit Wasser gefüllt oder mit Luft beaufschlagt. Über eine festgelegte Prüfzeit wird gemessen, ob Druck oder Wasserstand stabil bleiben.
  6. Dokumentieren: Die Ergebnisse werden in einem Prüfprotokoll festgehalten, das Sie als Nachweis erhalten.
VerfahrenWas geprüft wirdTypischer Einsatz
Prüfung mit WasserWasserverlust in der gefüllten Leitung über die PrüfzeitNeubau und Bestand
Prüfung mit LuftDruckabfall in der verschlossenen LeitungNeubau und Bestand, je nach Leitung
KamerabefahrungSichtbare Schäden wie Risse, Wurzeln und VersätzeZustandserfassung, oft vor oder ergänzend zur Druckprüfung

Wie die Untersuchung mit der Kamera im Detail funktioniert, erklärt der Beitrag Kamerabefahrung.

Wer macht die Dichtheitsprüfung und wovon hängen die Kosten ab?

Die Prüfung übernehmen Fachbetriebe mit der passenden Technik und Erfahrung in der Grundstücksentwässerung. Welche Anforderungen an den Prüfer gestellt werden, kann die örtliche Satzung festlegen. Fragen Sie daher vorab bei Ihrer Gemeinde nach, damit das Prüfprotokoll anerkannt wird.

Pauschale Angaben zu den Kosten sind nicht seriös. Der Aufwand hängt unter anderem von der Länge der Leitungen, der Zahl der Schächte und Zugänge, dem Verschmutzungsgrad und dem gewählten Prüfverfahren ab. Lassen Sie sich vor dem Auftrag erklären, welche Leistungen enthalten sind.

Was folgt bei Undichtigkeiten?

Besteht eine Leitung die Prüfung nicht, werden die Schadstellen zunächst genau geortet. Je nach Art und Umfang gibt es verschiedene Lösungen:

  • Einzelne Schäden an Muffen oder kleine Risse lassen sich oft punktuell mit einem Kurzliner abdichten.
  • Bei mehreren Schäden auf längerer Strecke kann ein Schlauchliner die Leitung von innen auskleiden.
  • Stark beschädigte oder eingestürzte Rohre müssen teilweise ausgetauscht werden.

Nach der Sanierung wird die Dichtheit häufig erneut nachgewiesen. Mehr über grabenlose Verfahren lesen Sie im Beitrag Rohrsanierung von innen.

Wann zum Fachbetrieb?

Sobald Sie eine Aufforderung der Gemeinde erhalten, einen Neubau oder eine Sanierung planen oder Schäden vermuten, sollten Sie einen Fachbetrieb einschalten. Rohrfachmann reinigt die Leitungen, untersucht sie per Kamera und führt die Prüfung mit Wasser oder Luft durch. Informationen finden Sie auf den Seiten zur Dichtheitsprüfung, zur Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen und zur Dichtheitsprüfung von Schächten.

Häufige Fragen

Ist die Dichtheitsprüfung in Niedersachsen Pflicht?

Eigentümer müssen für dichte Abwasserleitungen sorgen. Ob und wann eine Prüfung konkret nachgewiesen werden muss, regelt die örtliche Abwassersatzung. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach.

Werden auch Schächte geprüft?

Ja, Schächte gehören zur Grundstücksentwässerung und können ebenfalls undicht sein. Sie werden je nach Anlass in die Prüfung einbezogen.

Reicht eine Kamerabefahrung als Dichtheitsnachweis?

Die Kamera zeigt sichtbare Schäden, ersetzt aber nicht in jedem Fall eine Druckprüfung. Welcher Nachweis anerkannt wird, legt die zuständige Stelle vor Ort fest.

Muss ich während der Prüfung auf Wasser verzichten?

Während die Leitungen abgesperrt sind, sollte im Haus kein Wasser in die geprüften Abschnitte fließen. Ihr Prüfer sagt Ihnen vorab, worauf Sie achten müssen.