Ein beschädigtes Abwasserrohr bedeutet heute nicht automatisch Bagger, Baugrube und aufgerissene Einfahrt. Bei der Rohrsanierung von innen wird die alte Leitung als Hülle genutzt und von innen wieder dicht gemacht. Dieser Beitrag erklärt verständlich, wie Inliner, Kurzliner und Sanierungsroboter funktionieren, wie die Arbeiten ablaufen und wo die Verfahren an ihre Grenzen stoßen.
Kurz gesagt: Bei der grabenlosen Sanierung wird ein mit Harz getränkter Schlauch oder eine Manschette in das alte Rohr eingebracht und dort ausgehärtet. So entsteht ein neues, dichtes Rohr im alten Rohr. Voraussetzung ist eine gründliche Reinigung und Kamerauntersuchung, bei eingestürzten Leitungen hilft meist nur der Austausch.
Wann ist eine Rohrsanierung nötig?
Abwasserleitungen altern. Dichtungen werden spröde, Rohre reißen durch Bodenbewegungen, und Wurzeln dringen über undichte Stellen ein. Eine Sanierung ist sinnvoll, wenn bei einer Untersuchung Schäden festgestellt werden, die über reine Verschmutzung hinausgehen. Typische Befunde sind:
- Risse, Scherben oder ein Rohrbruch
- undichte Muffen und verschobene Rohrverbindungen
- Wurzeleinwuchs an Verbindungsstellen
- Korrosion und Auswaschungen an der Rohrwand
- eine nicht bestandene Dichtheitsprüfung
Auch ohne akute Verstopfung sollten solche Schäden nicht auf die lange Bank geschoben werden. Tritt Abwasser aus, kann das Erdreich ausgespült werden, was Absackungen und Folgeschäden am Gebäude begünstigt. Wie Schäden sichtbar gemacht werden, lesen Sie im Beitrag Kamerabefahrung.
Rohrsanierung von innen: Die Verfahren im Überblick
Unter dem Begriff Kanalsanierung werden verschiedene Methoden zusammengefasst. Für Haus- und Grundleitungen sind vor allem drei Verfahren verbreitet:
Schlauchliner: das Rohr-in-Rohr-Verfahren
Beim Schlauchliner, auch Inliner genannt, wird ein flexibler Gewebe- oder Filzschlauch mit Kunstharz getränkt und über einen Schacht oder eine Öffnung in die Leitung eingebracht. Mit Luft- oder Wasserdruck legt er sich an die alte Rohrwand an und härtet anschließend aus, je nach System durch Wärme, Dampf oder UV-Licht. Das Ergebnis ist ein neues, nahtloses Rohr im alten Rohr. Das Verfahren eignet sich für längere Abschnitte mit mehreren Schäden. Mehr dazu auf unserer Seite zum Schlauchliner.
Kurzliner: punktuelle Reparatur
Ist nur eine einzelne Stelle beschädigt, etwa eine undichte Muffe oder ein kurzer Riss, genügt oft ein Kurzliner. Dabei wird eine harzgetränkte Manschette auf einem Packer zur Schadstelle gefahren, dort angepresst und ausgehärtet. Die übrige Leitung bleibt unberührt. Details erklärt die Seite zum Kurzliner.
Sanierungsroboter
Roboter kommen in größeren Leitungen zum Einsatz. Sie können Hindernisse abfräsen, Seitenzuläufe nach dem Einbau eines Liners wieder öffnen oder Schadstellen gezielt verspachteln. Oft ergänzen sie die Liner-Verfahren.
| Verfahren | Geeignet für | Grenzen |
|---|---|---|
| Schlauchliner | Längere Abschnitte mit mehreren Schäden | Querschnitt wird etwas kleiner, Zuläufe müssen wieder geöffnet werden |
| Kurzliner | Einzelne Risse und undichte Muffen | Nicht sinnvoll bei vielen Schäden auf der ganzen Strecke |
| Roboter | Fräsen, Zuläufe öffnen, punktuelle Reparaturen | Erst ab bestimmten Rohrdurchmessern einsetzbar |
| Austausch in offener Bauweise | Eingestürzte, stark verformte oder falsch verlegte Rohre | Erdarbeiten nötig, höherer Aufwand |
So läuft die Sanierung ab
- Untersuchung: Eine Kamerabefahrung zeigt Art, Lage und Umfang der Schäden.
- Planung: Auf dieser Grundlage wird das passende Verfahren gewählt und mit Ihnen besprochen.
- Reinigung: Die Leitung wird mit Hochdruck gespült, Ablagerungen und Wurzeln werden entfernt, damit der Liner sauber anliegt.
- Einbau: Liner oder Manschette werden eingebracht und ausgehärtet.
- Nacharbeiten: Seitenzuläufe werden wieder geöffnet, Übergänge geprüft.
- Abnahme: Eine abschließende Kamerafahrung dokumentiert das Ergebnis. Je nach Anforderung folgt eine Dichtheitsprüfung.
Während des Einbaus und der Aushärtung kann die betroffene Leitung nicht genutzt werden. Wie lange das dauert, hängt vom Verfahren und von der Länge der Strecke ab. Ihr Fachbetrieb sagt Ihnen vorab, worauf Sie sich einstellen müssen. Welche Nachweise nach einer Sanierung gefordert sein können, erklärt der Beitrag Dichtheitsprüfung Abwasser.
Praxis-Hinweis: Lassen Sie sich Kameraaufnahmen vor und nach der Sanierung aushändigen und bewahren Sie diese zusammen mit dem Protokoll auf. Die Unterlagen sind hilfreich bei späteren Prüfungen, im Gespräch mit Versicherungen und beim Verkauf der Immobilie.
Vorteile und Grenzen der Rohrsanierung von innen
Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Garten, Pflaster und Kellerboden bleiben in der Regel unberührt. Das spart Aufwand für Erdarbeiten und Wiederherstellung und verkürzt die Bauzeit. Zudem ist der Liner nahtlos, sodass Wurzeln keine neuen Eintrittsstellen finden.
Es gibt aber auch Grenzen:
- Ist ein Rohr eingestürzt oder stark verformt, kann kein Liner eingebracht werden.
- Falsches Gefälle oder zu kleine Querschnitte lassen sich von innen nicht korrigieren.
- Enge Bögen und Querschnittswechsel erschweren den Einbau.
- Ein ausreichender Zugang über Schacht oder Öffnung muss vorhanden sein.
Ob eine Rohrsanierung von innen im konkreten Fall die richtige Wahl ist, lässt sich daher erst nach der Kamerauntersuchung beurteilen. Manchmal ist auch eine Kombination sinnvoll: Einzelne eingestürzte Abschnitte werden offen erneuert, der Rest der Leitung wird mit einem Liner saniert. So bleibt der Eingriff in Garten und Gebäude so klein wie möglich.
Wann zum Fachbetrieb?
Eine Sanierung von innen gehört in erfahrene Hände. Materialwahl, Vorbereitung und Aushärtung entscheiden darüber, ob der Liner dauerhaft dicht ist. Holen Sie sich Unterstützung, sobald eine Kamerauntersuchung Schäden zeigt, eine Dichtheitsprüfung nicht bestanden wurde oder Verstopfungen durch Wurzeln immer wiederkehren. Rohrfachmann untersucht Ihre Leitungen in Hannover und der Region, empfiehlt das passende Verfahren und führt die Sanierung mit Schlauch- oder Kurzliner aus. Einen Überblick gibt die Seite zur Rohrsanierung.
Häufige Fragen
Wie lange hält ein Inliner?
Fachgerecht eingebaute Liner sind auf eine lange Nutzungsdauer ausgelegt. Wie lange sie im Einzelfall halten, hängt von Material, Einbau und Belastung der Leitung ab.
Wird der Rohrdurchmesser durch den Liner kleiner?
Ja, geringfügig, da sich die Linerwand an die alte Rohrwand legt. Durch die glatte Oberfläche wird das in der Regel gut ausgeglichen.
Hilft ein Inliner auch bei einem Rohrbruch?
Das hängt vom Schaden ab. Bei Rissen und Scherben ist eine Sanierung von innen oft möglich. Ist das Rohr eingestürzt oder verschoben, muss es meist in offener Bauweise ersetzt werden.
Kann ich die Toilette während der Arbeiten benutzen?
Nicht, solange die betroffene Leitung gesperrt ist. Stimmen Sie den Zeitraum vorab mit dem Fachbetrieb ab.